WM Qualifikation 2014: Mit Reus als falsche Neun?!

Marco Reus

Marco Reus als falsche 9?
Bild: Borusse86, Public Domain

Heute Abend fällt der Startschuss für die WM Qualifikation 2014. Dabei muss unsere Elf gegen die Färöer Inseln ran. Ganz Fußballdeutschland hofft auf einen erfolgreichen Start in die Quali.

Sollte Deutschland (aktuell auf Platz 2 der FIFA-Weltrangliste) das Spiel gegen Färöer (Platz 154) gewinnen, wäre das der 500. Sieg in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Jetzt hat Bundestrainer Joachim Löw erste Hinweise gegeben, wen er heute um 20:45 Uhr gegen Färöer aufs Feld schickt.

Kapitän Phillipp Lahm ist wieder mit von der Partie, nachdem er beim Testspiel gegen Argentinien aufgrund der Geburt seines ersten Söhnchens Julian noch fehlte. Er wird neuerdings wie bei den Bayern auf der rechten Abwehrseite auflaufen. Links wird ihm der Dortmunder Marcel Schmelzer zur Hilfe kommen. Lassen wir uns überraschen, ob der Umbau der Verteidigung funktioniert oder der falsche Ansatz ist.

Schmelzers Mannschaftskollege vom BVB, Marco Reus, ist ebenfalls mit in der Startelf, nachdem er in den letzten Länderspielen sowie in der Bundesliga durchweg überzeugt hat. Lukas Podolski dagegen hat seinen Stammplatz verloren. Dass Reus wieder im offensiven Mittelfeld auflaufen wird, ist nicht zwingend, denn Löw betonte, dass er sich Marco durchaus auch auf der Sturmposition vorstellen könne.

Wer stürmt künftig für Deutschland?

Überhaupt ist die Stürmer-Frage in der DFB-Elf längst nicht geklärt. Auch wenn der alternde Miroslav Klose immer für ein Tor gut ist, fehlt es aktuell an echten Alternativen. Zwar kehrt Mario Gomez, unser derzeit erfolgreichster Stürmer, nach längerer Verletzung am Knöchel wieder ins Training zurück. Einsatzbereit ist er aber noch nicht. Und nach Klose und Gomez kommt lange nichts im deutschen Fußball. Es fehlt an talentierten Nachwuchskräften, die sich im Sturm aufdrängen bzw. gut genug für einen Herrn Löw sind. Bislang. Daher hat Jogi für die WM Quali Spiele gegen Färöer und Österreich – wie schon bei dem Testspiel gegen Argentinien – auf die Nominierung weiterer Stürmer neben Miro Klose verzichtet.

Doch für die Zukunft muss Löw nach Ersatz Ausschau halten, denn Klose geht zweifelsfrei auf seine Spielerrente zu. Spätestens nach der WM 2014 ist für den 34-jährigen Spieler von Lazio Rom Schluss. Schon während der EM war er meist Ersatzmann für Gomez. Und so scheint es wahrscheinlich, dass er im Laufe der WM Qualifikation auch eher als Joker fungieren wird, denn als Stürmer Nr. 1. Folgerichtig wäre Gomez die erste Wahl für die Stümerposition. Doch was ist, wenn dieser sich mal verletzt? Wen gibt es noch?

Löws lange Stürmer-Streichliste

Mal sehen: Kevin Kuranyi wurde im Oktober 2008 aus der Nationalelf geworfen, nachdem er während des Länderspiels gegen Russland, bei dem er nur auf der Tribüne saß, bereits in der Halbzeit das Stadion verlassen hatte und eigenmächtig abgereist war. Bis heute hat Kuranyi keine Chance mehr bekommen, seinen Fehler von damals wieder auszubügeln und das wird wohl auch so bleiben.

Der verletzungsgeplagte Patrick Helmes hat ebenso ganz schlechte Karten auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Nach zwei Kreuzbandrissen ist es unwahrscheinlich, dass er bald wieder seine alte Form erlangt und sich für die deutsche Elf empfehlen kann.

Cacau wurde zwar für den erweiterten Kader der EM 2012 nominiert, bekam dann aber kein Ticket für das Turnier in Polen und der Ukraine. Er musste zu Hause bleiben und bekommt auch bei seinem Heimatverein in Stuttgart keinen Fuß mehr auf den Rasen. Ihm fehlt die nötige und so wichtige Spielpraxis. Auch für ihn dürfte die DFB-Elf ein abgeschlossenes Kapitel sein, genauso wie für den Leverkusener Stefan Kießling. Letzterer ruft zwar in letzter Zeit wieder ordentliche Leistungen ab, doch bei Löw und in der Nationalelf schien er nie wirklich eine Chance zu haben. Schließlich kennen wir unseren Bundestrainer als einen, der nicht immer nach der Leistung, sondern oft auch danach geht, wie gut ein Spieler in sein Konzept und zu seiner Philosophie passt. Und auf alle oben genannten Stürmer scheint dies eben nicht zuzutreffen.

Die Lösung: Marco Reus als falsche 9?

Und dieses Dilemma bringt und zurück zu Marco Reus. Wenn es uns an Optionen auf der Sturmposition mangelt, dann kopieren wir eben das spanische System und spielen künftig mit einem „falschen“ Stürmer (auch „falsche Neun„), wie uns das die Spanier bei der EM mit Cesc Fàbregas vorgemacht haben. Löw stellt sich Reus als zentralen Spieler in der Offensive vor, der den Ball sowohl verteilen kann, als auch durch sein schnelles Dribbling in der Lage ist, Abwehrlinien alleine durchzuwirbeln.

Löw beschreibt also weniger einen waschechten Stürmer, sondern ein „ballsicheres, technisch versiertes, gedankenschnelles und spielstarkes“ Bindeglied zwischen Sechzehnmeterraum und Mittelfeld, das sehr schnell vom exzellenten Passspieler zum laufbereiten Sprinter und Dribbler umschalten kann und somit die gegnerische Abwehr überraschen und überwinden kann.

4-1-4-1 System der Schlüssel zum Titel?

Gomez ist für solch ein 4-1-4-1 Spiel nicht geeignet, dem es durch seinen massigen Körperbau an der nötigen Schnelligkeit mangelt. Er ist angewiesen auf ordentliche Pässe und Flanken, die er bei entsprechender Präzision auch zum Abschluss bringen kann. Sein Aktionsradius beschränkt sich aber vor allem auf den Strafraum der Gegner. Das reicht aber nicht aus für eine Topmannschaft, die Titel gewinnen will. Dazu braucht es besonders vielseitige Kombinationsspieler, die flink in den Beinen und im Kopf sind, die schnell zwischen Offensive und Defensive umschalten können, die flexibel und unberechenbar sind und den Gegner durch ein hohes Pressing unter Druck setzen können.

Löw scheint sich also nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien und der aufflammenden Kritik tatsächlich Gedanken gemacht haben, wie es künftig weitergehen soll. Und das muss er auch, denn eines ist klar: Jetzt zählt nur noch ein Titel. Zu lange warten wir schon auf einen Turniergewinn. Es reicht nicht mehr, nur Zweiter oder Dritter zu werden. Seit Jahren heißt es, die deutsche Nationalmannschaft sei spielerisch bereit für den Titel, jetzt müssen dann auch mal Taten folgen. Fußballdeutschland lechzt nach dem WM-Pokal. Sollte dieses Ziel 2014 nicht erreicht werden, ist Löw endgültig weg vom Fenster.

Es könnte also durchaus passieren, dass Gomez trotz ordentlicher Leistung bald nur noch dritte Geige spielt. Ein Versuch ist es jedenfalls wert, dieses neue System zu testen. Dieses könnte dann in Abhängigkeit vom Gegner vor allem bei defensiv eingestellten Teams zum Einsatz kommen, bei denen eine Sturmspitze wie Gomez aufgrund der kompakten Verteidigung 90 Minuten auf seine Chance im Strafraum wartet.

Lassen wir uns überraschen, wie unser Bundestrainer heute Abend auflaufen lässt. Mit Klose oder Reus an der Spitze…

Was meint ihr, ist das eine gute Idee oder sollte Löw beim alten Spielsystem bleiben?

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