Bye Bye Ballack

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Michael Ballack
Bild: NaturalBlu, CC BY 2.0

Nun ist es offiziell, was eigentlich alle schon wussten: Michael Ballack wird in der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr benötigt. Bundestrainer Jogi Löw hat dies Ballack in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Lange hat es gedauert, bis Löw sich endlich zu diesem Schritt überwunden hat. Einen Monat vor der WM 2010 wurde der 98fache Nationalspieler im englischen Pokalfinale von Kevin-Prince Boateng brutal gefoult. Die schlimme Verletzung bedeutete sein Aus für die WM 2010. War Ballack zuvor noch unumstritten gesetzt in der Nationalelf, mussten sich Löw und Co. einen Ersatz für den Mittelfeldspieler suchen. Die Doppelsechs mit Khedira und Schweinsteiger begeisterte während der WM in Südafrika ein Millionenpublikum und zeigte, es geht auch ohne Ballack. Als dann auch noch Philipp Lahm während eines Besuchs Ballacks in Südafrika erklärte, er wolle die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben, reiste der langjährige Kapitän vorzeitig wieder ab und wurde daraufhin nie wieder von Löw nominiert.

Löw begründete das Ballack-Aus mit der Entwicklung der Nationalelf während und nach der WM 2010. Man verfüge beim DFB über viele junge Spieler, die gute Perspektiven besäßen: „Mit ihnen ist die Entwicklung der Nationalmannschaft seit der WM 2010 in Südafrika absolut positiv verlaufen. Nachdem ich diese Thematik mit Michael Ballack zuletzt bei unserem Treffen Ende März 2011 in aller Offenheit erörtert habe und wir danach mehrfach telefoniert haben, ist nun vor dem Start in die EM-Saison der Zeitpunkt gekommen, hier klar Position zu beziehen“.

Löw ließ Ballack zappeln

Es war Löw wahrscheinlich schon nach der letzten WM klar, dass er künftig nicht mehr auf Ballack zurückgreifen wird. Umso unverständlicher, warum er sich so lange Zeit mit dem Klärungsgespräch gelassen hat. Immer wieder machte er Ballack Hoffnung, erklärte, er bleibe weiterhin der Capitano und Lahm nur Vizekapitän. Dennoch überging der Bundestrainer Michael bei den Nominierungen für die EM-Quali oder diverse Freundschaftsspiele und verwies auf den angeschlagenen Gesundheits- und Fitnesszustand des Leverkuseners. Doch auch als es mit den Leistungen bei der Werkself aufwärts ging und Ballack sich wieder fit zeigte, änderte sich nichts an Löws Verhalten. Immer wieder schob er das „klärende“ Gespräch nach hinten, bis jetzt. So geht man nicht mit langjährigen Spielern um, die einen Grundpfeiler im deutschen Fußball ausmachten, finden wir. Klar, man mag auf die Idee kommen, Löw wollte Ballack die Chance geben, selbst zurückzutreten. Aber wir alle wissen um den Stolz des Nationalspielers, der unbedingt noch einmal einen Titel gewinnen wollte.

Doch Löw sieht das wohl anders und fügte hinzu: „In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat. Im Interesse aller ist daher jetzt eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht.“

Der ewige Zweite

Ballack bleibt also der ewige Zweite. Mit Leverkusen und mit Chelsea London nahm er an zwei Mal an einem Champions League-Finale teil, 2x musste sein Team sich geschalgen geben. Auch in der Nationalelf konnte er keine Titel gewinnen. Bei der WM 2002 musste Ballack aufgrund einer Gelbsperre im Finale gegen Brasilien auf der Bank Platz nehmen. Brasilien wurde Weltmeister. 2006 scheiterte die Elf von Klinsmann im Halbfinalspiel gegen Italien und wurde am Ende Dritter im eigenen Land. 2008 konnte sich Deutschland im Finale gegen Spanien nicht durchsetzen und 2010 hatte er keine Chance mehr sich zu beweisen.

(K)ein Abschiedsspiel für Ballack

98 Länderspiele gehen auf das Konto von Ballack. Sein letztes hat er am 3. März 2010 in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien in München bestritten. Löw kündigte an, der DFB wolle Ballack würdig verabschieden. Ballack sei ein Jahrzehnt lang ein sehr wichtiger Führungsspieler für die DFB-Elf gewesen und habe großen Anteil and en Erfolgen des Teams seit der WM 2002. „Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Seine spielerische und kämpferische Klasse sprechen ebenso für ihn wie seine Torgefährlichkeit und seine Nervenstärke gerade in wichtigen Spielen“, so Löw weiter. Mit einem inoffiziellen Abschiedsspiel am 10. August will sich der DFB „in attraktivem Rahmen“ für „seine großen Verdienste um den deutschen Fußball“ bedanken. Im Freundschaftsspiel gegen Brasilien soll Michael Ballack sein Team daher zum letzten Mal als Kapitän aufs Feld führen.

Das wäre dann sein 99. Länderspiel. Ein Ende wieder einmal kurz vor einer so psychologischen Hürde, dem 100. Nationalspiel. Wir glauben ja, Michael ist zu stolz, als dass er dieses in seinen Augen heuchlerische Angebot annimmt. Zu viel ist im letzten Jahr passiert oder besser gesagt nicht passiert. Wir können es ihm verdenken. Für einen „würdigen“ Abschied ist es ohnehin zu spät.

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